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Feb 2011
Bei vielen Menschen haben Naturfarben einen schlechten Stand. Nicht unbedingt, weil ein schlechter Ruf ihnen vorauseilt, sondern weil einige Bedenken bei ihrer Nutzung mit einhergehen. Viele Menschen gehen von einer komplizierten Handhabung aus und vermuten matte Töne, die an die Farbenpracht jener Wandfarben, welche für uns als herkömmlich gelten, nicht herankommen. Doch hier liegt gleich ein doppelter Irrtum vor. Erstens haben die Naturstoffe wie Lehmfarben eine viel ältere Historie und wurden schon zu Germanenzeiten genutzt und zweitens ist der einzige Aspekt, der sie von den chemischen Varianten unterscheidet, derjenige, dass sie ökologisch unbedenklich sind.
Lehmfarben beispielsweise werden genauso aufgetragen wie die „herkömmlichen“ Varianten und verfügen über eine gigantische Farbsättigung. Sie sind einfach zu verarbeiten, beliebig lange lagerungsfähig, abriebbeständig, diffusionsoffen und nahezu ohne Zusatz von Konservierungsstoffen. Außerdem lassen sie sich auf allen Untergründen auftragen, einzig zu beachten ist, dass diese sauber und trocken sein sollten. Auch Kalkfarben sind eine tolle ökologische Variante, auch wenn sie nicht immer zur absoluten Farbenpracht realisierbar sind. Besonders für Feuchträume geeignet, ist das Gemisch aus Kalk und Wasser sehr diffusionsoffen und zudem äußerst wischbeständig.
Silikatfarben zählen zu den beständigsten Naturfarben und können deshalb sowohl im Innen- als auch im Außenbereich genutzt werden. Dank des Hauptbestandteils Kaliwasserglas und dessen Verkieselung beim Trocknungsprozess ist die Silikatfarbe extrem widerstandsfähig und verfügt über eine hohe Festigkeit. Ebenfalls sehr beständig ist Kaseinfarbe, die bereits vor tausenden Jahren bei der Höhlenmalerei genutzt wurde. Mithilfe von Borsalzen oder Kalk, die zugesetzt werden, erreicht man neben einem wischfesten und diffusionsoffenen Stoff, der sich zum Beispiel auf Rauhfasertapete eignet, auch einen starken Schutz vor Bakterien- bzw. Pilzbefall.
Noch flexibler und von daher zurzeit am meisten verwendet wird die Naturharz-Dispersionsfarbe. Sie ist wasch- und wischfest und kann auf allen Untergründen, selbst zum Überstreichen von Altanstrichen, genutzt werden. Anders als bei Kunstharz-Dispersionsfarben, deren chemisch bedingte Negativaspekte in den Vordergrund treten, beschränkt man bei der Naturharzvariante den Zusatz auf unbedenkliche Borsalze und natürliche Öle.